Bildungstag 2013: Gepflegter Dialog von Bildung und Wirtschaft

Rund 190 Spitzenkräfte aus den Bereichen Bildung und Wirtschaft trafen sich am 6. September zum zweiten Schweizer Bildungstag im Berner Kursaal. Gastgeber waren gemeinsam die Dachverbände der Schweizer Lehrerschaft, LCH und SER. Obwohl auch kritische Punkte im Verhältnis der Gesprächspartner auf den Tisch kamen, blieb der Dialog ausgesprochen konstruktiv.

«Näher als man denkt» setzte anderntags die «Neue Zürcher Zeitung» als Titel über ihren Bericht vom zweiten Schwei­zer Bildungstag in Bern. Um die Harmonie zwischen Schule und Wirtschaft sei es «nicht so schlecht bestellt» und die Vorstellungen der Spitzenvertreter bei­der Seiten lägen «nicht meilenweit aus­einander», stellte die NZZ fest.

Dabei hatte LCH-­Zentralpräsident Beat W. Zemp in seinem Eingangsreferat durchaus einige kritische Punkte im Spannungsfeld von Schule und Wirtschaft zur Sprache gebracht: So die Tatsache, dass der Anteil ausbildender Betriebe von 33% im Jahr 1985 auf 16% im Jahr 2011 gesunken ist. Oder dass bildungsschwache Schülerinnen und Schüler oft keine passende Lehrstelle finden oder die begonnene Lehre abbrechen und oft als «Dropouts» beim Sozialamt landen, weil sie ihren Lebensunterhalt nicht selber verdienen können. «Der Markt regelt nicht immer alles von al­leine», mahnte Zemp.

Der LCH­-Zentralpräsident ging auch auf die vom Bundesrat und anderen Politikern vorgespurte Unternehmenssteuerreform III ein, die massive Löcher in die Kassen von Städten und Gemeinden zu reissen droht. Eigentlich sei der Kreis­lauf ja einfach zu verstehen: Unternehmungen und ihre Beschäftigten zahlen Steuern, die vom Staat in öffentliche Dienstleistungen, zum Beispiel Bildung, investiert werden. Die Schulen und Hochschulen wiederum – Lehrpersonen und Dozenten – sorgen dafür, dass mög­lichst gut ausgebildete Menschen der Wirtschaft zur Verfügung stehen.

«Wenn aber», so Zemp, «dieser Kreislauf durch einen ruinösen Steuerwettbewerb belastet wird, dann fliesst nicht mehr genügend Geld ins Bildungssystem und die Politik ist gezwungen, einmal mehr mit Sparpaketen zu reagieren.» Ein solcher Aderlass bliebe nicht ohne Folgen für die Qualität des Bildungswesens.

In mehreren Podiumsgesprächen und Workshops wurde daraufhin das Spannungsfeld Bildung und Wirtschaft abgschritten. Grundlage war ein gemeinsames Thesenpapier von LCH und SER. Darin heisst es unter anderem: «Die Schule anerkennt, dass die Vorbereitung auf eine erfolgreiche berufliche Lauf­bahn eine zentrale Aufgabe der Schule darstellt.» Aber auch: «Die Volksschule ist mehr als ein Trainingszentrum oder ein Warenhaus.» Die Schule leiste auch «einen nicht zu ersetzenden Beitrag für eine gelingende Integration aller Schülerinnen und Schüler in eine auch zu­künftig funktionierende Gesellschaft». Die Gespräche waren frei von der Gehässigkeit, die oft Äusserungen von Wirtschaftsführern zum Thema Schule kennzeichnet. Joachim Masur, CEO Zurich Schweiz, beeindruckte mit der Aussage, zwei seiner Geschäftsleitungs­mitglieder hätten ursprünglich eine Lehre absolviert, aber auch mit dem Appell, der «humanistischen Bildung» in der Schule grösseres Gewicht zu geben.

«Die Wirtschaft will sich engagieren»

Valentin Vogt, Präsident des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes, verteidigte die Rolle der Wirtschaft im dualen Bildungssystem. Zwar sei die Zahl der Lehrbetriebe zurückgegangen, doch nach wie vor würden 70% der Jugendlichen nach der obligatorischen Schulzeit eine Lehre beginnen. «Wir müssen dieses duale Bildungssystem pflegen; es ist immer noch der Königsweg.» Allerdings gehe die soziale Akzeptanz der Lehre in einem schleichenden Prozess zurück. Während seine Tochter studiere, mache sein Sohn eine Lehre, und gelegentlich sehe er sich mit der Frage konfrontiert: «Hat der ein Problem?»

In einem weiteren Podiumsgespräch warb Rudolf Minsch, Leiter a.i. von economiesuisse, für einen «relaxten» Umgang mit Sponsoring in der Bildung. «Die Wirtschaft versucht in der Regel nicht, durch Sponsoring Schülerinnen und Schüler zum Gebrauch eines Produkts zu bringen. Es gibt einen breiten Konsens, dass man sich wirklich in der Bildung engagieren möchte.»